Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre
insbesondere Revisions- und Treuhandwesen

(Financial Accounting and Auditing)
Prof. Dr. Gerhard Scherrer

 

Embedded Value

Das Konzept des "Embedded Value" stellt eine besondere Bewertungsalternative bei der Unternehmensbewertung von Lebensversicherungsgesellschaften dar, die die externe Rechnungslegung dieser Unternehmen erweitern kann. Durch die Einbeziehung des Wertes des Bestandes an Versicherungsverträgen kann die Aussagekraft erhöht bzw. die Informationsfunktion der Rechnungslegung verbessert werden.

Der Wert des Bestandes an Versicherungsverträgen setzt sich aus zwei Komponenten zusammen:

Adjusted net worth: das um etwaige stille Reserven korrigierte bilanzielle Nettovermögen der Lebensversicherungsgesellschaft. Nach herrschender Meinung wird "Nettovermögen" im üblichen Sinne verstanden, also als Zeitwert der Vermögensgegenstände abzüglich Zeitwert der Schulden. Nach abweichender Meinung wird das Nettovermögen definiert als Eigenkapital zuzüglich freier Rückstellungen für Beitragsrückgewähr abzüglich der Solvabilitätsreserve (Summe aus 4% der Deckungsrückstellung und 0,3% der Differenz zwischen der Todesfall-Leistung u. den bis zum Berechnungszeitpunkt angesparten Deckungskapital) plus 10% der stillen Reserven. Diese Ansicht wird damit begründet, daß bei Lebensversicherungsunternehmen mindestens 90% der Überschüsse an die Versicherungsnehmer zurückfließen müssen.
Value of Business In-Force: dieser entspricht dem Barwert der Erfolge aus den im Bestand der Lebensversicherungsgesellschaft vorhandenen Versicherungsverträge. Bei der Bestimmung des Value of Business In-Force erweisen sich vor allem die Prognose der zukünftigen Zahlungsströme und die Wahl eines geeigneten Kalkulationszinssatzes als Problem. Die Zahlungsströme hängen unter anderem ab von den zu treffenden Annahmen über Sterblichkeiten, Kündigungen von bestehenden Verträgen, zur Aufrechterhaltung des Versicherungsbetriebs erforderlichen Aufwendungen, Inflationsraten und Erträgen aus den Investments.

Eine freiwillige Offenlegung eines "Embedded Value" eines Versicherungunternehmens erscheint äußerst unwahrscheinlich, da dies mit einer Publikation der in den Vermögensgegenständen und Schulden enthaltenen stillen Reserven und der unternehmensinternen Kalkulation der Versicherungsverträge verbunden wäre.

 Im Zusammenhang mit dem Konzept des Embedded Value wird regelmäßig der Appraisal Value genannt, der auch als reine Erweiterung des Embedded Value bezeichnet wird. Der Appraisal Value enthält als dritte Komponente neben den oben angeführten Komponenten des Adjusted net worth und des Value of Business In-Force einen Goodwill, der den Wert des zu erwartenden Neugeschäfts angibt. Anders als beim Embedded Value muß der Appraisal Value nicht nach den Regeln der Rechnungslegung vorsichtig kalkuliert und bewertet werden; insoweit ist die Bezeichnung des Appraisal Value als reine Erweiterung des Embedded Value nicht korrekt.

Quellen:

Sieben, G., Zur Ermittlung des Gesamtwertes von Lebensversicherungsgesellschaften – eine Analyse aus Sicht der Unternehmensbewertungstheorie, in: Dieter Farny und die Versicherungswirtschaft, hrsg. von Robert Schwebler und den Mitgliedern des Vorstands des Deutschen Vereins für Versicherungswirtschaft, Karlsruhe 1994, S. 479-506.

Franklin, N., Embedded Values of Life Insurance Companies, in: Geld, Banken und Versicherungen, Band II, hrsg. von Wolf-Rüdiger Heilmann u.a., Karlsruhe 1992, S. 1309-1330.

Zwiesler, H.-J., Der Profit-Test in der Lebensversicherung: Eine Einführung, Ulm 1996.

Jürgen Florian

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Oktober 00

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Stand:

05.10.00

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Kelle