Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre
insbesondere Revisions- und Treuhandwesen

(Financial Accounting and Auditing)
Prof. Dr. Gerhard Scherrer

 

Balanced Scorecard

Die balanced scorecard wurde ursprünglich mit dem Ziel entworfen, die in Unternehmen überwiegend anhand von finanziellen Größen (financial measures) gemessene Leistungsfähigkeit durch geeignete Informationen über die Kunden (customers), die internen Geschäftsprozesse (internal business processes) sowie die Anpassungsfähigkeit (learning and growth) des Unternehmens zu ergänzen. Als Übersetzung bietet sich daher der Begriff „ausgewogener Auswertungsbogen" an. Inzwischen wird sie auch als Instrument des strategischen Managements eingesetzt, insoweit kommt ihr auch die Funktion zu, die Auswertungen aus den unterschiedlichen Bereichen zu integrieren.

Die Grundidee der balanced scorecard beruht auf der Annahme, daß eine eindimensionale Beschreibung und Steuerung eines Unternehmens unabhängig davon, welche Dimension Verwendung findet, der Realität nicht gerecht wird. Mit ihrer Hilfe sollen die wesentlichen Dimensionen eines Unternehmens abgebildet und die für die Steuerung des Unternehmens benötigten Informationen verfügbar gemacht werden. Die als relevant erachteten Dimensionen eines Unternehmens sind:

  1. Finanzen: Die finanzielle Dimension eines Unternehmens wird traditionell in Jahres- oder Quartalsabschlüssen dargestellt. Sie beinhaltet Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens.
  2. Kunden: Eine kundenorientierte Sichtweise liefert Informationen über die Positionierung des Unternehmens in bestimmten Marktsegmenten, über die Kundenzufriedenheit oder die Kundenbindung.
  3. Geschäftsprozesse: Auf Ebene der Geschäftsprozesse erfolgt die Beschreibung des Unternehmens anhand der einzelnen im Unternehmen implementierten Arbeitsabläufe.
  4. Lernen/Wachstum: Die vierte Dimension beinhaltet sogenannte weiche Erfolgsfaktoren. Dieses sind die Motivation und der Ausbildungstand der Mitarbeiter, der Zugang zu relevanten externen Informationsquellen und die Organisation des Unternehmens.

Der grundsätzliche Aufbau der einzelnen Sichtweisen (Dimensionen) auf das Unternehmen mit Hilfe der balanced scorecard ist identisch. Er gliedert sich in die folgenden vier Abschnitte:

Strategien: Für jeden der vier Aspekte, unter denen das Unternehmen betrachtet wird, sind die strategischen Ziele zu formulieren. Diese Aufgabe ist nach h.A. durch die Unternehmensführung zu erfüllen. Für den Finanzbereich sind an dieser Stelle die Anforderungen der Investoren (Eigen- und Fremdkapitalgeber) sowie der Kapitalmärkte zu berücksichtigen. Darüber hinaus wird generell der langfristige ökonomische Erfolg, der das Überleben des Unternehmens sichert, als Zielsetzung betrachtet. Analog sind auch die strategischen Ziele im Hinblick auf die Kunden des Unternehmens (Kundenzufriedenheit, Kundenbindung), die Geschäftsprozesse (Festlegung der Bereiche für die Verbesserung von Geschäftsprozessen) sowie die weichen Faktoren des Unternehmens (Ausbildungsstand und Motivation der Mitarbeiter, Zugang zu wichtigen Informationen) abzuleiten.
Maßgrößen: Nachdem die Formulierung der strategischen Ziele abgeschlossen ist, sind in jedem Bereich geeignete Maßgrößen, die eine Messung des Zielerreichungsgrades zulassen, abzuleiten. Schwierigkeiten dürften im wesentlichen bei der Messung der Anpassungsfähigkeit (Lernen/Wachstum) auftreten. Für den Finanzbereich beschränkt sich die Problematik auf die Auswahl geeigneter Kennzahlen für einzelne in den strategischen Zielen berücksichtigte Bereiche (Rendite, Liquidität, Wachstum). Neue Ansätze hinsichtlich der für die Unternehmenssteuerung verwendeten Kennzahlen sind hierbei nicht ersichtlich.
Zielgrößen: Zu den im Einzelnen verwendeten Maßgrößen sind im Rahmen der Operationalisierung der strategischen Ziele konkrete Zielgrößen vorzugeben und auf der balanced scorecard auszuweisen.
Initiativen: Der vierte Abschnitt beinhaltet eine verbale Umschreibung der zur Erreichung der einzelnen strategischen Ziele ergriffenen Initiativen.

Im Rahmen der Anwendung der balanced scorecard als Instrument des strategischen Managements sind Probleme in den drei folgenden Bereichen zu lösen.

Die in den unterschiedlichen Dimensionen festgelegten strategische Ziele werden sich zumindest teilweise widersprechen. Daher müssen Prioritäten für die einzelnen Ziele festgelegt werden. Im Rahmen des hierfür notwendigen Diskussionsprozesses dient die balanced scorecard als Kommunikationsmittel.
Eine Voraussetzung zur Lösung der angeführten Zielkonflikte ist, daß die Einflüsse einzelner Maßnahmen zur Erreichung der unterschiedlichen strategischen Ziele auf die Maßgrößen der anderen Dimensionen, insbesondere auf die finanzielle Dimension, aufgezeigt werden. Dazu wird vorgeschlagen die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Zielen durch Wirkungsketten zu visualisieren. Hierzu werden im allgemeinen ausschließlich qualitative, nicht quantitative Wirkungen bestimmt werden können. Die Unterstützung durch die balanced scorecard zur Lösung dieses Problembereichs beschränkt sich ebenfalls auf ihre Eignung als Kommunikationsmedium zwischen betroffenen Abteilungen eines Unternehmens.
Als abschließender Schritt wird gefordert den Einsatz der balanced scorecard nicht auf die Unternehmensführung zu beschränken, sondern diese auch auf Abteilungsebene bzw. der Ebene des einzelnen Mitarbeiters zu implementieren.

Quellen:

Kaplan, R. S., Norton, D. P., Using the Balanced Scorecard as a Strategic Managment System, Harvard Business Review Vol. 74 (1996), No. 1, S. 75-85.

Kaplan, R. S., Norton, D. P., The balanced scorecard- Translating Strategy into Action, Boston 1996.

Stefan Göbel

© Lehrstuhl Prof. Dr. Gerhard Scherrer

Apr. 98

 

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Stand:

09.04.99

Bearbeiter:

Göbel