ehem. Lehrstuhl Prof. Dr. Widmaier:

Prof. Dr. Hans Peter Widmaier ist mit Wirkung zum 1. April 1999 emeritiert.


Informationen aus dem Studienführer:

Allgemeine Wirtschaftspolitik

Sozialpolitik

Wirtschaft sozialistischer Länder in der Transformation

Theorie und Politik der Infrastruktur

Allgemeine Wirtschaftspolitik

Allgemeine Wirtschaftspolitik zeigt zunächst grundlegende Probleme wie unzureichende empirische Kenntnisse, Zielkonflikte sowie unterschiedliche theoretische Ansätze auf. Es werden die Zusammenhänge zwischen einzelnen Teilgebieten der Wirtschaftspolitik dargestellt. Im Kontext des politischen und gesellschaftlichen Rahmens wird Wirtschaftspolitik auch in ihrer gesellschaftspolitischen Relevanz gesehen.

Arbeitsmarktpolitik, Wettbewerbspolitik, Umweltpolitik, Verteilungspolitik und die Wirtschaftsordnung/ Wirtschaftsverfassung einschließlich des wechselseitigen Zusammenhangs zwischen Wirtschaft und Politik, Werturteilsfragen und Instrumentenwahl werden im konkreten Zusammenhang behandelt: Beziehungen zwischen Sachurteil und Werturteil. Kritik am Utilitarismus; Beziehungen zwischen ökonomischen und nichtökonomischen Zielen. Öffentliche Unternehmen, Gemeinwirtschaft. Gesichtspunkte bei der Auswahl wirtschaftspolitischer Instrumente. Armut als Ansatzpunkt.

Liberalismus im Sinne der interventionsfreien Marktwirtschaft. Allokation von Verfügungsrechten. Marktversagen. Begründungen für staatliche Interventionen in Marktwirtschaften. Neue Politische Ökonomie. Funktionsweise von parlamentarischen Parteien-Demokratien im Kontext durchorganisierter Marktgesellschaften; Korporatismus und Wirtschaftspolitik. Historische Entwicklung und einzelne Elemente der heutigen westlichen Wirtschaftssysteme. Soziale Marktwirtschaft.

Sozialpolitik

    Das Stoffgebiet gliedert sich in zwei Teilgebiete:
  1. Theorie der Sozialpolitik;
  2. Sozialpolitische Institutionenlehre.
Zur Theorie der Sozialpolitik gehört die Analyse der Entstehung sozialer Bedürfnisse, die zentrale Lebensbereiche des Menschen in der industriellen Wirtschaftsgesellschaft betreffen (Jugend, Alter, Arbeit, Arbeitslosigkeit, Krankheit und Armut). Dieser Prozeß der Entstehung sozialer Bedürfnisse muß als gesellschaftlicher Prozeß verstanden werden, in dem die Chancen der Artikulation und der Durchsetzung von Bedürfnissen ungleich verteilt sind.

Während die Analyse der Entstehung der sozialen Bedürfnisse vertieft wird durch die Thematisierung der historischen Entwicklung der Sozialpolitik (Rolle der Arbeiterbewegung, Interesse des Staates an sozialer Befriedung), betrifft das Problem der Durchsetzbarkeit sozialer Bedürfnisse die Theorie des modernen Wohlfahrtsstaates. Hier geht es um die Analyse der "Produktion von Sozialpolitik" im Wohlfahrtsstaat im Rahmen einer Theorie der "politischen Güter", die als politisch wünschenswerte Leistungen vom öffentlichen Sektor bereitgestellt werden oder im Rahmen öffentlicher Bindung privat produziert werden. Dieser Teilbereich der Theorie der Sozialpolitik kann z.B. im Rahmen der Neuen Politischen Ökonomie dargestellt werden, wird aber hinsichtlich der Erklärungsdefizite der Neuen Politischen Ökonomie diskutiert.

Sozialpolitik ist nicht ahistorisch definierbar. Charakter, Funktionen, Zielgruppen, Organe und Institutionen, Instrumente etc. lassen sich im sozialen und historischen Wandel immer wieder neu bestimmen.

Im Rahmen der sozialpolitischen Institutionenlehre sollen die Struktur und Funktionsweise der wichtigsten Sicherungssysteme der bundesdeutschen Sozialpolitik kennengelernt werden (Alterssicherung/ Rentensicherung, Gesundheitswesen, Arbeitslosenversicherung, Sozialhilfe). Die Konstruktionsprinzipien (Vorsorge, Versicherung, Fürsorge; Bedarfs- und Äquivalenzprinzip; Kausal- und Finalprinzip etc.) sind in ihrer Idealtypik sowie in ihrer realtypischen Verknüpfung zu verstehen. Aufbauend auf dem Verständnis der Struktur und Funktionsweise sollen aktuelle Strukturprobleme wie Aussteuerung aus der Arbeitslosenversicherung mit den Folgen einer neuen Armut und eines Funktionswandels der Sozialhilfe; Kostenentwicklung im Gesundheitswesen infolge von Steuerungsproblemen usw. erkannt und neue Entwicklungsperspektiven diskutiert werden: Mindesteinkommen, Reformen der Beitragsbemessungsgrundlagen der Arbeitgeberanteile zur Rentenversicherung, Selbstbeteiligung oder Positivlisten bei Arzneimitteln etc.

Wirtschaft der Transformationsländer

Gegenstand ist der Transformationsprozeß in den ehemals sozialistischenLändern und die Etablierung einer marktwirtschaftlichen Ordnung. Die Politische Ökonomie arbeitet hier mit Theorien des Systemwandels sowie auch der vergleichenden Institutionentheorie. Die Entwicklung nationaler und lokaler Arbeitsmärkte vor dem Hintergrund der Systemtransformation, die sozialpolitische Flankierung des Transformationsprozesses und der Aufbau eines Systems der sozialen Sicherung sowie die Entstehung von Interessengruppen und intermediären Organisationen bilden thematische Schwerpunkte.

Es ergeben sich Anlehnungen an das Gebiet der Ordnungstheorie und -politiksowie der Allokation, aber auch der Wettbewerbs- und Stabilisierungspolitik.Innerhalb der Transformationsproblematik nimmt der ostdeutsche Transformationsprozeß aufgrund der Vereinigung mit der Bundesrepublik Deutschland mit der Folge der Weltmarktintegration sowie des Institutionentransfers von West nach Ost eine Sonderstellung ein.

Theorie und Politik der Infrastruktur

Infrastruktur in einem umfassenden Sinne bezeichnet die für eine funktionsfähige Volkswirtschaft notwendigen Voraussetzungen personeller (human capital), institutioneller und materieller Art. Der Gegenstandsbereich Infrastruktur kann anhand von Merkmalsdefinitionen positiv bestimmt werden. Die Problematik der Definitionen von Infrastruktur verweist jedoch auf den Konstitutionszusammenhang von Infrastruktur im historischen Entwicklungsprozeß wie auch im politisch-institutionellen Umfeld, das Entscheidungsmechanismen bereitstellt, welche zu analysieren sind.

Die Infrastrukturthematik weist Überschneidungen mit dem Gebiet der Allokation auf und muß daher auf Erkenntnisse dieses Gebietes zurückgreifen. Des weiteren zeichnen sich Zusammenhänge mit Fragender Ordnungstheorie und -politik ab.

Ergeben sich im Rahmen eines solchen Verständnisses der Infrastrukturthematik Überschneidungen mit Gebieten der Sozialpolitik (z.B. des Gesundheitswesens), so dient die Bildungspolitik und -ökonomik als ausgesuchtes Teilgebiet der Infrastruktur als Vertiefungs- oder Spezialisierungsmöglichkeit. Bildung weist einige typische Merkmale der Infrastrukturproblematik auf und kann exemplarisch im Rahmen einer Theorie"politischer Güter" definiert werden. Am Bildungssektor lassen sich zugleich die Probleme einer zielorientierten staatlichen Planung verdeutlichen (Über- und Unterkapazitäten, strukturelle Fehlentwicklungen i.S. mangelnder Synchronisierung mit der Arbeitsmarktstruktur etc.). Schließlich kann ein Grundproblem der Infrastrukturtheorie und -politik, nämlich die Frage der wachstums-, konjunktur- und arbeitsmarktpolitischen Bedeutung verdeutlicht werden.


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